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Mittwochsfrage #157 - Dialoge!

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  • Mittwochsfrage #157 - Dialoge!

    Liebe Foreninsassen,

    aktuell befasse ich mich intensiv mit Dialogen. Bspw.: Was macht einen wirklich gelungenen Dialog aus? Wieso lesen sich manche so hölzern, uninspiriert, dröge? Wie steht ihr zu Inquits? Wieso, weshalb warum?

    Ich bitte Euch in dieser Mittwochsfrage mal Beispiele (gern Eure eigenen) für gelungene Dialoge vorzustellen und Beispiele für wirklich schlechte Dialoge. Wieso empfindet ihr welche Dialoge so? Ist es wichtig für euch, die Figuren zu erkennen, wenn nur die Dialogzeilen gelesen werden würden? Habt ihr sprachliche Eigenheiten um eure Figuren zu charakterisieren? Wie steht Ihr zur Umgangssprache? Und beantwortet gern auch die eingangs gestellten Fragen.

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    Der eigene Horizont markiert nicht das Ende der Welt. [Kübra Gümüşay]
    Kontakt: administrator@wortkompass.de

  • #2
    Dialoge dürfen schon mal umgangsprachliche Floskeln haben.
    Ich glaube, es ist nicht immer möglich, dass man bei einer Dialogzeile gleich die Figur zuordnen kann. Bei mehreren Dialogzeilen ist es durchaus möglich.
    Bei guten Dialogzeilen muss man die Kommunikation spüren. Am besten denken die Figuren auch mit und verfolgen ihre Agenda.
    Gute Dialoge entstehen in der Überarbeitung.
    Gutes Beispiel für Dialoge: Wolf Haas in Guter Junge.

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    • #3
      Was macht einen wirklich gelungenen Dialog aus? Wieso lesen sich manche so hölzern, uninspiriert, dröge?
      Mir fiel anfangs etwas schwer zu akzeptieren, dass ein geschriebener Dialog kein realer Dialog ist. Er ist stilisiert und kondensiert. Während unsere Unterhaltungen von Ähs, angebrochenen und unvollendeten Sätzen, Wiederholungen, Nachdrücklichkeiten, Floskeln, Pause und Gestiken (auch am Telefon) nur so wimmeln, funktioniert das auf Buchseiten nicht. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, wahrscheinlich insbesondere dann, wenn sie eine bestimmte Figur als Charakteristikum begleiten.
      Ein guter Dialog kreist nicht, er bringt voran. Er ist die Action anstelle einer Action oder die Ruhe vor/nach dem Sturm oder Lexikon, ohne Infodump zu werden.
      Uninspiriert wirkt er auf mich dann, wenn ich merke, das sagt die Figur jetzt nur, damit der Autor die oder jene Info/Aktion/Besinnung unterbringen kann. Gelungen ist er, wenn der Autor den Dialog als logisches Mittel an der richtigen Stelle einsetzt und ich nicht denke: Wieso reden die Figuren jetzt darüber?
      Hölzern wird er für mich, wenn er zu nah am echten Gespräch ist, mit Äh, ...-Pausen (ja, ich weiß, ich mach das alles selbst en gros, bis zur Überarbeitung, ganz schrecklich, dieses Gestammel)(<- könnte schon als Negativbeispiel zählen) und sich wiederholt. Der Leser begreift es im Gegensatz zu einem echten Gegenüber sofort, was gesagt wird.
      Hölzern ist er natürlich auch, wenn es überhaupt keine Ähnlichkeit mit einem RL-Gespräch gibt, sondern alles picobello aufgeräumt und ohne persönliche Note der Figur nur vorgetragen wird. Wenn ich keine Betonungen oder Emotionen herauslese. Wenn es sich liest wie eine Fußnote zur Fußnote im BGB in einem der langweiligeren Paragraphen, vorgetragen von jemandem ohne Stimme. Ja, ich will die Stimme der Figur in meinen Gedanken hören.
      Besonders gern mag ich Dialoge, in denen der nächste Sprecher nicht unbedingt den Faden des Gesprächs dort wieder aufnimmt, wo der Vorsprecher ihn hat fallenlassen. Sondern wo ich als Leser den Zwischenschritt/-gedanken mitgehen/-denken muss. Dann ist das Gespräch nämlich auch in meinem Kopf in Fahrt. Allerdings darf man nicht zu viele Schritte auslassen. Oder man muss die Figuren etwas machen lassen, das die unausgesprochene Antwort spiegelt.

      Wie steht ihr zu Inquits? Wieso, weshalb warum?
      Ich mag Inquits. Vor allem "sagte". "Sagte" ist schön neutral, das liest man schon nicht mehr mit und weiß trotzdem, wer der Sprecher ist. Das Auge flutscht so drüber und muss sich nicht wundern, wie man z B "Guten Tag" fauchen kann. Sprich: Wenn schon ein anderes Inquit als "sagte", dann eines, das einen Leser nicht logopädisch straucheln lässt. "Sagte" stört mich auch überhaupt nicht in der zehnten Wiederholung innerhalb von zwanzig Zeilen. Ist unsichtbar für mich.
      Meinetwegen können sich Sprecher auch gern zur Abwechslung mal bewegen, im Gesicht herumfummeln oder die mimische Muskulatur durchexerzieren, Hauptsache, es lenkt mich nicht vom Dialog ab.

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      • #4
        Ich habe gerade ein wenig nach guten Dialogen in meinem Text gesucht, aber festgestellt, dass sie nur dadurch gelungen sind, dass der Kontext klar ist. Ich denke, das ist auch einer der Punkte, der gute Dialoge ausmacht: Im Subtext muss eine Botschaft mitschwingen, die man nur herauslesen kann, wenn man den Kontext kennt oder die Figuren richtig deuten kann.
        Eine weitere große Kunst in wunderbaren Dialogen ist m.E. die Figuren im richtigen Maße aneinander vorbeireden zu lassen. Hört man Menschen zu, wie sie miteinander sprechen und gibt man genau darauf acht, wie wenig linear ein natürlicher Dialog ist, merkt man, dass sich das meiste außerhalb des gesprochenen Wortes abspielt. Ich habe mal, als meine Eltern miteinander sprachen, ihren Dialog anschließend verschriftlicht und - ganz unbescheiden - das Ergebnis war in meinen Augen grandios, wenn auch schwierig zu folgen. Daher muss ein guter Dialog darin die Waage finden: Präzise Wortabfolge ist nicht unbedingt natürlich, aber ein sehr natürlicher Dialog führt oft ins Nichts.

        Wieso empfindet ihr welche Dialoge so?
        Schlechte Dialoge sind meistens flach und in ihrer Intention zu offensichtlich vom Autor geschrieben. Damit meine ich etwa den Infobär, der nur für den Leser da ist ("unser einziger Sohn Bruno"), zu häufige Nennungen von Namen ("Es war einfach schrecklich, Anna") oder Dinge, die im wirklichen Leben nicht im gesprochenen Wort stattfinden und in Dialogen ausgesprochen werden ("Es beunruhigt mich, dass ...").
        Gute Dialoge müssen vielschichtig sein, im richtigen Maße das Thema verfehlen ohne inhaltsleer oder ziellos zu sein und durch den Kontext Spannung zwischen den Figuren aufbauen.

        Ist es wichtig für euch, die Figuren zu erkennen, wenn nur die Dialogzeilen gelesen werden würden?
        Es ist zwar generell wichtig, aber gerade da in meinen Romanen so viele Figuren auftauchen, ist es schwierig, da wirklich jedem eine Eigenheit mitzugeben, ohne dass es zu gewollt wirkt.

        Habt ihr sprachliche Eigenheiten um eure Figuren zu charakterisieren?
        Bei den Hauptfiguren habe ich das zum Teil gemacht. Der eine drückt sich sehr gewählt, nahezu gestelzt aus, der andere sehr lapidar und ungeschickt, wenn auch er es in höherem Stile versucht, und flucht viel. Wirklich Mühe habe ich mir dabei gegeben, den 10-20 wichtigsten Figuren unterschiedliche Fluchwörter mitzugeben und bei manchen die Sprachentwicklung darzustellen, wenn er sich etwa häufig mit neuen Leuten umgibt und deren Fluchwörter übernimmt.

        Wie steht Ihr zur Umgangssprache?
        Nur in Maßen, wobei das in der Fantasy ohnehin kein großes Thema ist; zumindest nicht für mich. Ab und an gebe ich dialektale Einflüsse mit in den Text bzw. fremdsprachliche Einfärbungen, die ich dann aber kursiv setze. Insbesondere bei Wörtern wie Hallo, Ja und Nein lasse ich mir viel Spielraum, da ich davon ausgehe, dass hier auch nichtdeutsche Wörter aus dem Kontext sehr leicht verstanden werden (Ja oder Japp oder Jau oder Jo ...)
        Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. - Franziska Alber

        So nah, so fern.

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