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Chat-Interview mit Tanja Steinlechner (Gründerin des Schreibhain)

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  • Chat-Interview mit Tanja Steinlechner (Gründerin des Schreibhain)

    Tanja Steinlechner

    Foto: Michael Esser / Bearbeitung: Anette Schamuhn / immer4ne.de


    Nachdem ich Tanja anschrieb, ob sie für ein Interview in unserem Forum zur Verfügung stehen würde, kam sofort ein "Ja!". Das freut uns sehr, denn sie ist eine vielseitige Person, die die Literaturszene sowohl als Autorin, Lektorin, Herausgeberin, Literaturagentin und Dozentin kennt und bereichert.


    Vita:

    Tanja Steinlechner ist Autorin, Lektorin und Schreibcoach.

    In ihrer Autorenschule, dem Schreibhain, finden sowohl angehende als auch bereits veröffentlichte Schriftsteller ihre Wegbegleiter im Schreibprozess.

    An der Universität Hildesheim hat Tanja Steinlechner (Pseudonym Nelly Tolle) bei Dr. Hanns-Josef Ortheil Kreatives Schreiben studiert. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Lektorin, Literaturagentin und Dozentin für Literarisches Schreiben. Als Autorin und Herausgeberin verschiedener Romane, Kurzgeschichten und Anthologien (u.a. Wahrheit oder Lüge, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Lotte Macchiato, dotbooks und Porno Royal, Edition Erozuna), kennt sie Schreibprozesse nicht nur theoretisch, sondern immer auch aus der Innensicht .

    Nach einer Ausbildung zur Drehbuchautorin für Film und TV (TV-Akademie & Masterschool Berlin) wurde Ihr Treatment “Die Greiferin” beim Screenpitchwettbewerb nominiert und im roten Salon der Volksbühne Berlin vorgestellt.

    Tanja Steinlechner ist Mitglied der Gesellschaft für Kreatives Schreiben e.V. und engagiert sich im Segeberger Kreis. Sie gehört dem Verband deutscher Schriftsteller (verdi) und DELIA, der Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren, an. Sie ist ordentliches Mitglied der Gesellschaft für Schreibforschung und Schreibdidaktik e.V. und arbeitet zudem für die Literaturinitiative Berlin. Seit 2017 ist sie Städtesprecherin der Bücherfrauen Berlin.
    Wenn das kein Gesprächstoff liefert, weiß ich auch nicht .

    Liebe User,

    Ihr seit hiermit herzlich eingeladen in unserem Forenchat mit Tanja zu plaudern und ihr Fragen zu stellen. Den Ablauf entnehmt Ihr bitte der Orientierung: bitte hier klicken.

    Viel Spaß, viele Fragen und Antworten!
    Wortkompass
    Der eigene Horizont markiert nicht das Ende der Welt. [Kübra Gümüşay]
    Kontakt: administrator@wortkompass.de

  • #2
    Bin ich jetzt hier richtig, oder einfach zu doof den richtigen Bereich zu finden.
    I would write merely clearly and in this way establish a warm relationship between myself and my readers, and the professional critics—Well, they can do whatever they wish. Isaac Asimov

    Kommentar


    • Mona
      Mona kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Wir sind im Chat (Nur, falls sich noch jemand diese Frage stellen sollte )

    • Peter
      Peter kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Oh, war zu doof.
      Wahrheit macht frei.

  • #3
    Interview mit Tanja Steinlechner – Gründerin des Schreibhain


    schreibhain: Für alle die mich nicht kennen... Mein Name ist Tanja Steinlechner, ich bin Gründerin und Leiterin des Schreibhain, einer Autorenschule in Berlin. Außerdem Autorin und Schreibcoach. Soviel vielleicht für den Anfang. Ich warte gespannt auf eure Fragen!

    weltatlas: Liebe Tanja, willkommen hier bei uns im Chat. Vielen Dank, das Du Dir die Zeit nimmst hier zu sein, um unsere Fragen zu beantworten. Zum Einstimmen und weil ich es immer frage: Wann begann Dein Interesse an Literatur und am Schreiben selbst? Gab es einen auslösenden Moment und wenn ja, was war das für einer und was bedeutete er für Dich?
    schreibhain: Oh eine schöne Frage. Mein Interesse an Geschichte war schon als Kind da. Das begann mit dem Vorlesen, Nacherzählen und Erfinden von Geschichten. Später beim Selberlesen und Schreiben. Eine Schlüsselszene ist vielleicht die: Als Kind schrieb ich eine Erzählung über 16 Seiten - in der 2. Grundschulklasse - und damit brachte ich meinen Deutschlehrer zur Verzweiflung, er hatte nicht damit gerechnet derart viel lesen zu müssen😉. Mit 12 Jahren stieß ich auf eine erste „Romanidee“ und einige erste Seiten davon wurden damals in der Heilbronner Stimme, einer Zeitung meines Heimatortes, veröffentlicht...

    weltatlas: was war das Thema deiner ersten Geschichte?
    schreibhain: Eine Gespenstergeschichte. Der erste „Roman“ glich ein bisschen dem Film Labyrinth mit David Bowie. Der hatte mich schwer beeindruckt.

    weltatlas: Oh, cool.
    schreibhain: ;-)

    weltatlas: Die Geschichte war also bewusst daran angelehnt?
    schreibhain: Nein weniger bewusst, als unbewusst. Aber später ist mir das klar geworden.

    Mona: Wie kam es denn zu dieser Veröffentlichung?
    schreibhain: Ich hatte mal etwas an die Jugendseite der Zeitung geschickt. Die fanden das außergewöhnlich, wenigstens außergewöhnlich genug .

    VickieLinn: Hast du seitdem (12) regelmäßig Romane veröffentlicht?
    schreibhain: Nein. Die erste Veröffentlichung kam viel später. Das war 2008. Ein erotischer Roman, eine Art Auftragsarbeit. Und später dann ein Berlin-Roman unter Pseudonym und es entstand ein Treatment für einen Film. Neben Erzählungen...
    Das Schreiben hat mich immer begleitet, aber beruflich wollte ich zunächst Schauspielerin werden und besuchte auch eine Schauspielschule. Schreiben und Theater - das gehört für mich bis heute zusammen. Aber das Schreiben war stärker.
    Mein erster Roman kam zustande, nachdem ich mich für ein Volontariat beworben habe. Die wollten eine Arbeitsprobe für ihr neues Label, um zu sehen, ob ich damit etwas anfangen kann. Ich gab meine Ideen dazu ab und wenig später riefen sie mich an und wollten mich. Aber nicht für das Lektorat, sondern sie boten mir an, meine Idee auszuarbeiten und daraus mein Debüt zu schreiben.

    Peter: Ich habe gesehen, dass du in recht verschiedenen Genres unterwegs bist. Schreibst du dann unter Klarnamen, Pseudonym oder mehreren Pseudonymen, je nach Genre?
    schreibhain: Der erotische Roman erschien unter Klarnamen, der zweite unter einem Pseudonym: Nelly Tolle. Nicht unbedingt der richtige Weg. Aber ich war jung, ich wollte zu dem stehen, was ich schrieb. Heute arbeite ich an einem literarischen Projekt.

    Peter: Was war nicht sinnvoll, Klarname oder Pseudonym?
    schreibhain: Der Klarname für den erotischen Roman. Nicht weil es explizit um Erotik ging, sondern, weil du in Deutschland bekennen sollst: Ich schreibe Unterhaltung oder eben Literatur. Beides zusammen scheint schwer verdaulich zu sein für den Markt. Wenn man beides will, würde ich heute empfehlen Unterhaltung unter Pseudonym zu schreiben. Durchaus unter einem offenen, aber unter Pseudonym.

    VickieLinn: Wie kam es dazu, dass du dann lieber Agentin werden wolltest als Autorin?
    Schreibhain: Ich wollte immer auch Autorin sein. Aber allein davon leben, konnte ich damals nicht. Den Roman schrieb ich also, bewarb mich aber weiter bei Verlagen und wurde schließlich fündig. Später genügte mir das nicht mehr. Ich wollte verstehen, wie der Buchmarkt aus verschiedenen Perspektiven funktioniert und ihn aktiv mitgestalten. So wurde ich Literaturagentin.
    Das war eine spannende Zeit als Agentin. Aber ich arbeitete auf Provisionsbasis und hatte daher nicht genügend Zeit, an Stoffen zu feilen, die im Kern interessant waren, aber noch entwickelt werden mussten. Ich konnte nur vertreten, was schon verlagsreif war. So kam mir die Idee mit der Autorenschule. Das war 2013. Seitdem kümmere ich mich um den Nachwuchs und sorge dafür, dass meine Autor*innen Fuß fassen können in der Branche.

    weltatlas: Was genau kann man sich unter einer Literaturagentin vorstellen?
    schreibhain: Eine Agentin vertritt deinen Roman bei Verlagen, stellt ihn vor, versucht ihn unterzubringen auf dem Buchmarkt. Dafür bekommt sie eine prozentuale Beteiligung. Außerdem vertritt sie auch deine Rechte. Kümmert sich um Verträge, usw.

    Sophie: Wenn du jetzt beide Seiten kennst, was macht dir mehr Spaß - Romane selbst zu schreiben oder als Agentin bzw. Lektorin mit anderen Autoren zusammenzuarbeiten?
    schreibhain: Für mich ist beides gleichermaßen von Bedeutung, ich will auf keines der Standbeine verzichten. Aber heute bin ich eher Mentorin und Dozentin an meiner Schreibschule, dem Schreibhain. Die Arbeit mit meinen Student*innen ist wundervoll und macht mich glücklich. Das Schreiben aber ist immer ein großer Teil von mir geblieben. Mein Schreiben und mein Wirken in der Welt. Das ist beides nicht unabhängig voneinander zu denken.

    Mona: Wie wird man Literaturagentin? Bewirbt man sich da bei einer Agentur?
    schreibhain: Ich kannte den Inhaber der Agentur und arbeitete für ihn. Das war gut. Danach hätte ich mich damit auch selbstständig machen können. Aber ich bevorzugte meine Autorenschule...
    Heute ist der Kontakt zu Agent*innen aber sehr wichtig, denn vor ihnen präsentieren meine Student*innen ihre Stoffe...

    VickieLinn: Ich finde es ganz spannend, dass du (allein oder mit anderen?) eine Schreibschule gegründet hast. Wie bist du auf die Idee gekommen, und worin unterscheidet sich diese Arbeit von der Lektoren- und Agentenarbeit?
    weltatlas: Wie genau kam die Idee zur Gründung des Schreibhain?
    schreibhain: Die Arbeit unterscheidet sich ganz maßgeblich. Ich habe viel mehr Zeit, mit meinen Student*innen ihre Stoffe zu entwickeln. Als Lektorin im Verlag muss das v.a. auch effizient sein und beschränkt sich meist auf ein sprachliches Lektorat. In unserer Schule leisten wir viel mehr: Im ersten Semester geht es um Handwerk des Schreibens. Im 2. Semester um Branchenkenntnisse und Genres. Und im 3. um den eigenen Romanstoff und dessen Entwicklung.
    Die Gründungsidee kam mir, als mir bewusst wurde, dass ich Stoffe nur noch auf ihre Verkäuflichkeit hin las. Das war nie mein Ziel gewesen. Ich wollte Stoffe kreieren und Potentiale zutage fördern...
    weltatlas: Das klingt gut.
    VickieLinn: Ich finde den Gedanken sehr schön.

    Sophie: Welche Ausgangsbasis haben denn deine Student*innen, wenn sie sich für den Schreibhain bewerben? Haben sie schon ein komplettes Romanprojekt, das sie noch zurechtschleifen müssen, oder können sie auch ganz blank da hineingehen?
    schreibhain: Das ist ganz unterschiedlich. Manche haben eine erste Idee, andere entwickeln sie während der Ausbildung. Aber alle müssen sich bewerben. So sortieren wir vor...

    weltatlas: Wie erfolgt die Sortierung? bzw. wonach wird sortiert?
    schreibhain: Ich versuche mit meinem Team herauszufinden, ob da ein Gefühl ist für Sprache und Klang und ob der Autor/ die Autorin eine Geschichte erzählen will.

    weltatlas: Ich würde jetzt noch mal gern zurück kommen zu meiner Frage, wie hat sich der Schreibhain gegründet? Vielleicht ein kurzer Abriss von der Idee, bis zur Verwirklichung.
    schreibhain: Die Idee wurde 2012 geboren, als ich über einem Stapel von Manuskripten saß und wusste, ich habe nicht die Zeit, allen Stoffen, die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.
    Dann überlegte ich, welche Dozenten ich mit an Bord holen könnte und ersann ein Konzept. Die erste Version der Website hatten wir 2013 online und 2014 startete unser erster Ausbildungsjahrgang. Heute sind es bald 6 Jahrgänge und eine Meisterklasse. Schreibcoachings, Gutachten, Schreibreisen, Webinare, etc. sind dazu gekommen. Eine ganz breite Angebotspalette, die ich nicht allein abdecke.
    Gerade heute hat der Autor Anselm Neft bei uns einen wunderbaren Workshop zum Plotten gegeben.

    VickieLinn: Das ist unglaublich viel. Kurse, Videos, Reisen. Wie bekommst du das alles unter einen Hut? Und wo liegt dein (fachlicher oder herzblutiger) Schwerpunkt?
    schreibhain: Mein Schwerpunkt ist die Autorenausbildung und die Meisterklasse. Aber auch da unterstützen mich meine Dozenten. Ich liebe es auch, Kontakte zu pflegen, z.B. auf der Leipziger Buchmesse.

    Peter: Wie ist das Konzept der Schreibschule? Wie ein chinesisches Buffet, an dem man sich die Sachen holt, die man braucht, oder eher ein Curriculum mit festen Bestandteilen?
    schreibhain: Nein, es gibt ein ganz klares Curriculum. 1. Semester z.B. Handwerk. Jeweils 6 Termine zu Raum und Atmosphäre schaffen, Figurenentwicklung, Dramaturgie, Zeit und erzählte Zeit, Sinnliches erzählen, etc.
    Im zweiten Semester kümmern wir uns um die Genres, die unsere Studenten interessieren und erläutern die Kriterien dieser Formate.
    Es kommen auch Branchengäste in den Hain. Darüberhinaus vermitteln wir auch frühzeitig Kontakte zu Agenturen, die dann schon mal erste Einschätzungen über die Vermarktbarkeit geben.

    weltatlas: Ihr vergebt ja auch Stipendien, oder?
    schreibhain: Ja, es gibt jedes Jahr zwei Starttermine für die neuen Jahrgänge. Im April und im November. Der Aprilstipendiat 2017 steht bereits fest.

    weltatlas: Wie wird man Stipendiat? Wonach wählt ihr aus?
    schreibhain: Für jeden Jahrgang vergeben wir einen Stipendienplatz. Wir schreiben ihn jedes Jahr neu aus und wählen den Text, der uns am Vielversprechendsten erscheint. Zur Leipziger Buchmesse 2017 bekommen wir auch eine neue Website. (22.3., wahrscheinlich). Dann ist auf unserem Blog auch der Gewinnertext zu lesen.

    VickieLinn: Worin unterscheiden sich die normale Autorenausbildung und die Meisterklassen?
    schreibhain: Die Meisterklasse ist quasi wie das dritte Semester. Stoffentwicklung und Begleitung während der Arbeit am Roman. Für die Meisterklasse muss man zumeist die Ausbildung durchlaufen oder schon veröffentlicht haben. Es gibt aber Ausnahmen. Die Kandidatinnen und Kandidaten müssen nachweisen, dass sie ihr Handwerk beherrschen.

    weltatlas: Nehmt ihr Texte jedes Genre an (als Stipendiaten) oder sortiert ihr nach Genre aus? Oder geht es schlicht darum das man dem Text anmerkt das der künftige Stipendiat erzählen kann? Erzähl-,Schreibgefühl usw. besitzt? War es einfach die Dozenten, das Team des Schreibhains zusammenzustellen und für sich zu gewinnen?
    schreibhain: Wir nehmen sowohl literarische Autoren als auch Genreautoren auf. Das ist für uns ganz wichtig, diese Mischung. Denn die verschiedenen Autoren geben sich gegenseitig viel. Die einen haben oft eine sehr gute Geschichte, die anderen ein besonderes Gespür für Sprache. Und manchmal entdecken Autoren ja auch erst während der Ausbildung, was ihr Genre überhaupt ist und lernen ihre Schreibstärken kennen.
    Ja, das war eher leicht. Freizeit und Beruf sind bei mir oft eins. Außerdem kannte ich viele Kolleginnen schon aus Lektoren- und Agenturzeiten...

    VickieLinn: Kann man auch nur ein Semester belegen? Zum Beispiel, wenn man das zweite besonders interessant findet, nur dieses?
    schreibhain: Nein, leider nicht. Dafür sind dann Webinare und Workshops da. Es geht uns ja darum unsere Studentinnen bis zum Pitching zu führen. Wir wollen, dass sie ihre Stoffe auch verkaufen oder zumindest gute Kontakte ins Netzwerk knüpfen.

    VickieLinn: Und noch eine Frage: Wie lange dauert so eine Schreibreise und was sind die Inhalte? Wie viel kann in dieser Zeit vermittelt werden?
    schreibhain: Die Schreibreisen haben unterschiedliche Schwerpunkte. Die nächste wird im November stattfinden. Wir überlegen gerade noch, wohin es gehen soll und ob der Schwerpunkt auf Roman oder Erzählung oder Autobiografischem liegen soll. Meist sind wir ca. eine Woche unterwegs. Es geht ums gemeinsame arbeiten, aber auch um Urlaub, also um eine Verbindung von beidem.

    Sophie: Wie hoch ist denn der Anteil der Student*innen, die danach ihr Projekt in einem Verlag unterbringen können?
    schreibhain: Meist so 2 - 3 von 7/8 Studentinnen. Ich habe mir sagen lassen, die Quote sei ganz gut. Aber wir wollen uns noch steigern.
    Es sind allesamt ausgewählte gute Agenturen, die wir einladen. Wir achten dabei auf Qualität, nicht auf Quantität. Es bringt nur etwas bei einer Agentur unterzukommen, die gute Kontakte hat und die den Autor auch in Rechtsfragen gut vertreten kann.

    weltatlas: Wieviel Bewerber habt ihr eigentlich pro Jahrgang? und, wieviel Plätze?
    Schreibhain: 8 - 12 Plätze. Meist an die 100 Bewerber. Bisher.

    VickieLinn: Was wären denn „schlechte“ Agenturen?
    schreibhain: Agenturen, die keine guten Kontakte zu Publikumsverlagen haben, solche die keine Ahnung von Vertragsgestaltung haben, die sich nicht für die Projekte ihrer Autoren begeistern.

    Peter: Neben der Verlagsvermittlung, was ist die Hauptaufgabe eines Agenten. Worauf muss man achten?
    schreibhain: Das hängt auch vom Autor ab. Ein Agent muss wissen: Wie vertrete ich die Rechte meines Autors besonders gut?
    Also auch juristisches Know-how.
    Agenturen vertreten auch bestimmte Genres, sind spezialisiert. Es bringt nichts einer Agentur ein Sachbuch anzubieten, wenn sie nur Belletristik vertritt oder einer Agentur einen literarischen Stoff zu schicken, die v.a. Kontakte unterhält zu Unterhaltungsverlagen.

    Peter: Würdest du für Erstautoren eher einen Publikumsverlag oder doch lieber einen Kleinverlag mit persönlicherer Betreuung empfehlen?
    Mona: ... und, um Peters Frage noch auszuweiten: Wie stehst Du zu Selbst Publishing?
    schreibhain: Das hängt ganz klar davon ab, was du willst und was du schreibst. Wohin passt dein Stoff? Ist er tauglich für ein breites Publikum? Bist du ggf. bereit einer von vielen Autoren zu sein oder ist es Dir lieber den Spitzentitel eines kleineren Verlages zu stellen?
    Diese Frage lässt sich kaum pauschal beantworten.
    Ich betreue auch Autoren die SP machen im Lektorat. Es gibt viele ganz hervorragende Stoffe auch im SP. Allerdings auch einige, die noch unausgereift sind.

    Mona: Okay. Gibt es etwas, das Du SPlern im Gegensatz zu Verlagsautoren raten würdest? (oder umgekehrt: Verlagsautoren im Gegensatz zu SPlern?)
    schreibhain: SPler müssen sich noch mehr selbst vermarkten als Verlagsautoren. Aber auch Verlagsautoren sind heute Allrounder. Der Künstler im stillen Kämmerlein hat schlechtere Karten. Wichtig ist, neben dem Arbeiten am Text, der Balance zwischen Selbstkritik und Glauben an die eigene Geschichte, sicher auch: dranbleiben, nicht aufgeben, sich vernetzen. Wichtig ist ein Netzwerk an Unterstützern, Menschen, die an dich glauben, Kollegen, die es schon geschafft haben.

    VickieLinn: Hast du einen besonders schönen Moment während deiner Kurse [Schreibhain] gehabt, den du mit uns teilen möchtest?
    schreibhain: Oh, das waren so viele... Aber einer meiner Lieblingsmomente war, als unser Autor, der so sehr mit sich gerungen hatte und immer mal wieder seine Entwürfe verwarf, um von vorn zu beginnen, endlich einen unglaublich guten Deal mit einer sehr bekannten Agentur machte. Die hatten sein Talent erkannt. Ich habe mal eine halbe Nacht lang mit ihm telefoniert;-) Es war mir so wichtig, dass er nicht aufgab. Ich wusste, diese Geschichte hat Potential. Aber da gibt es viele tolle Momente: Auch unsere Feste... Unsere tollen Gäste, z.B. Nina George. Wir haben so viel gelacht..."

    Mona: Aus Sicht Deines Autorinnendaseins: Was hilft Dir am Anfang eines neuen Projekts am ehesten, um reinzukommen? Und was empfiehlst Du gegen Schreibblockaden?
    schreibhain: Bei Schreibblockaden frage ich zunächst: Woher kommen sie? Was ist die Angst dahinter? Oft hilft es, diese Blockaden abzubauen. Dabei unterstützt eine gewisse Regelmäßigkeit und im Zweifel gilt: Besser über eine Schreibblockade schreiben, als gar nicht schreiben.
    Ich habe weniger Schwierigkeiten damit, reinzukommen, oftmals ist eher der zweite Akt eine Herausforderung und die Struktur...
    Für alle denen es ums Reinkommen geht: Was ist Euer Thema? Was wollt ihr wirklich erzählen? Vielleicht sucht Ihr Euch auch Inspiration: Musik, Theater, Natur, Gespräche, …

    Mona: Was Deinen Beruf als Lektorin angeht: Worauf legst Du beim Lektorieren das größte Augenmerk?
    schreibhain: Auf die Dramaturgie des Textes und die Sprache. Ist die Figurenentwicklung nachvollziehbar, stimmen die Motivationen, gibt es logische Brüche? Wie funktioniert die Perspektive? Aber eben auch: Passt die Sprache zum Genres?

    Mona: Gibt es etwas, das Du jedem Nachwuchs raten würdest?
    schreibhain: Ja, unbedingt. Sucht euch Kollegen, schaut euch in den Schriftstellerverbänden um, nutzt Weiterbildungsmöglichkeiten und stellt Euch der Kritik. Aber auch: Lernt Eure Schreibstärken kennen und baut genau die aus. Nur ihr könnt diese eine Geschichte erzählen, die in Euch flammt. Kein anderer. Und lernt euer Thema kennen.

    Peter: Das nehme ich gerne mit auf den Weg. Vielen Dank für deine Infos.

    schreibhain: Wenn ihr noch Fragen habt, könnt ihr sie mir unter: tanjasteinlechner@yahoo.de stellen.

    VickieLinn: Es hat mich auch sehr gefreut, dich heute löchern zu dürfen!

    weltatlas: Mich auch.

    schreibhain: Vielen Dank, es war mir eine Freude mit Euch... Besucht mal meinen Blog, wenn ihr mögt. Oder schaut euch unter YouTube unsere Lehrvideos an. Die sind kostenfrei...

    VickieLinn: Danke, dass du dir Zeit für uns genommen hast.

    schreibhain: Sehr gern... Habt einen wundervollen Abend und schreibt eure Geschichte! Ich freue mich darauf, sie hoffentlich veröffentlicht zu sehen.
    Der eigene Horizont markiert nicht das Ende der Welt. [Kübra Gümüşay]
    Kontakt: administrator@wortkompass.de

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